Arbeitsspeicher/RAM – das Kurzzeitgedächtnis deines Rechners
Heimwerker:innen kennen es – willst du einen Dübel setzen, brauchst du einen Schraubbohrer, aber auch einen Hammer und möglicherweise auch einen Staubsauger, um den Bohrstaub gleich aufzufangen. Und alles muss in Reichweite sein, um ein flüssiges Arbeiten zu gewährleisten. Ganz ähnlich funktioniert der RAM (engl. random-access-memory) oder Arbeitsspeicher eines Rechners. Im Gegensatz zur Festplatte, ist dieser ein schneller und vom Prozessor direkt angesprochener Speicher, der lediglich die Daten beinhaltet, die die laufenden Prozesse, Programme und Apps unmittelbar benötigen. Werden diese geschlossen oder beendet, wird auch der Arbeitsspeicher wieder frei. Diese Komponente jedes Desktop-PCs oder Notebooks bestimmt also maßgeblich die Anzahl der möglichen nebeneinander ablaufenden Prozesse. Ganz wie in unserem Beispiel – wenn gleichzeitig gebohrt, aber auch Staub gesaugt werden soll, dann sind die Kapazitäten einer Person überschritten und eine zweite wird gebraucht. Damit dein Rechner möglichst viele Aufgaben gleichzeitig lösen kann, erklären wir dir etwas genauer, nach welchen Kriterien du einen passenden RAM aussuchen kannst.
Aktuelle Standards und Typen von Arbeitsspeichern
Suchst du nach einem geeigneten RAM-Modul für deinen Rechner (oder willst du sicherstellen, dass dein Notebook herstellerseitig entsprechend ausgerüstet ist), kannst du das anhand der Zahl hinter der Bezeichnung DDR für den Typus des RAM erkennen. DDR steht für double data rate (engl. doppelte Datenrate) und meint damit, dass der DDR-Arbeitsspeicher mit der doppelten Datenmenge umgehen kann, verglichen mit seinem fast vergessenen Vorgänger SDRAM. Neuere Generationen des DDR-RAM brachten sukzessive immer bessere Datenraten bei immer sparsamerem Energieverbrauch. Aktuellster Standard ist DDR5, die Vorgängergeneration DDR4 ist aber immer noch im Einsatz und stellt eine gute und günstigere Alternative dar.
Auf der Verpackung findest du Herstellerangaben nach dem Muster DDRX-XXXX. Die erste Ziffer, hinter DDR, zeigt dir an, um welche DDR-Generation es sich handelt. Die anderen vier geben den Takt/die Frequenz an, mit der dein RAM arbeitet, in Megahertz (MHz). Ob dein System aber den vollen verfügbaren Takt auch tatsächlich nutzen kann, hängt vom Mainboard bzw. vom BIOS deines Systems ab. Dieses sollte immer aktuell gehalten werden.
Desktop-PCs bieten allgemein mehr Platz in ihren Gehäusen als kompakte Mini-PCs oder Notebooks. Dementsprechend gibt es auch RAM-Module in zwei Größen. Der DIMM-Formfaktor, dessen Riegel bis zu 13 cm lang sind, kommt in Desktop-PCs zum Einsatz. Bei Mini-PCs und Notebooks findet dagegen die SO-DIMM-Bauform Verwendung. Diese ist im Vergleich zu DIMM schmaler, dafür etwas höher.
Suchst du nach geeignetem Arbeitsspeicher für deine(n) Server, dann spielen auch Datensicherheit bzw. die Vermeidung von Ausfällen und Datenverlusten eine wichtige Rolle. RAM-Module mit ECC haben einen Zusatzchip, der im laufenden Betrieb Datenfehler erkennen und beheben kann. Bei Desktop-PCs und Notebooks hingegen ist diese Funktion vernachlässigbar, auch bei leistungsstarken Geräten für Medienbearbeitung und/oder Gaming.
Achtung! RAM ist ein flüchtiger Speicher. Daten werden nicht dauerhaft gesichert, sondern nur, bis die Stromzufuhr gekappt wird. Also wird er jedes Mal geleert, wenn der Rechner ausgeschaltet wird.
Die richtige RAM-Größe für deine Aufgaben
Mehr RAM gleich schnellere und flüssigere Leistung des Rechners, soweit die gängige Rechnung. Bei der Auswahl an Packungsgrößen, die im Handel erhältlich sind, ist es gar nicht so einfach, sich für die richtige zu entscheiden. RAM kann zwar grundsätzlich nie „zu viel“ sein, allerdings ist es möglich, mehr RAM als nötig zu verbauen und dadurch mehr Geld als nötig auszugeben. Im Handel ist RAM in Form von Kits zu kaufen. Ein Kit kann entweder einen einzelnen RAM-Riegel beinhalten, der die nominale Menge RAM umfasst oder aber mehrere Riegel, deren Größe zusammen die ausgewiesene RAM-Größe ergibt.
RAM-Einbau: Die genaue Anzahl der RAM-Riegel, die in einen Rechner eingebaut werden kann, wird vorgegeben von der Anzahl der verfügbaren Steckplätze auf dem Motherboard. Um zu vermeiden, dass die RAM-Riegel nicht perfekt aufeinander abgestimmt sind, sollten sie aus demselben Kit sein. Es wird nicht empfohlen, verschiedene Riegel zu kombinieren.
Textverarbeitung, E-Mail, Browsing, Messaging, etwas Bild- und Tonverarbeitung und der eine oder andere Streaming- oder Zockermarathon, gerne auch mehreres davon gleichzeitig: so oder so ähnlich sieht das übliche Nutzungsszenario eines Desktop-PCs oder Notebooks aus. Für Prozessoren der neuesten 2-3 Generationen überhaupt kein Problem. Wenn es ruckelt und es zu Aussetzern kommt, dann eher wegen der mangelhaften Leistung von Grafikkarte oder RAM. Um flüssiges Arbeiten in den oben genannten Szenarien zu gewährleisten, kannst du dich an den folgenden Werten orientieren:
- Textverarbeitung/E-Mails/Browsen: 4-8 GB
- Streaming: 8 GB
- Bild-/Tonbearbeitung: 16 GB
- Gaming: 16-32 GB Die Zahlen geben Werte wieder, die eine flüssige Leistung in den genannten Szenarien bieten. Ein System auf Höhe der Zeit, das den meisten Aufgaben gewachsen ist, sollte also mindestens 16 GB RAM haben. Willst du die allerneuesten und graphisch aufwendigsten Spiele zocken oder bist du in deiner Arbeit auf das professionelle Schneiden von Bild- und Ton angewiesen, empfehlen wir dir mindestens 32 GB RAM. Am anderen Ende kann ein System, dass nur für einfachste Office-Aufgaben gebraucht wird, auch mit 8 GB RAM laufen. Andererseits macht auf solchen Geräten alles, was darüber hinaus geht, keinen Spaß mehr.
RAM-Hunger von Spielen: Es lohnt sich immer, einen Blick auf die Anforderungen der Spiele, die du zocken willst, zu werfen. Viele sind gar nicht auf einen riesigen RAM angewiesen, da sie für Spielkonsolen konzipiert worden sind, die allgemein über wenig Arbeitsspeicher verfügen.
Übertragungsrate – wie schnell reagiert dein RAM?
Wenn wir von der Schnelligkeit des Arbeitsspeichers sprechen, dann meinen wir damit die Datenmenge, die in einem festgelegten Zeitraum transferiert werden kann. Als Größe dient dazu das Megahertz (MHz), das den Takt oder die Frequenz wiedergibt, mit der dein RAM Daten aufnimmt oder weitergibt. Konkret gesagt: Reden wir von einem Takt von 3600 MHz, heißt das, dass der Arbeitsspeicher in jeder Sekunde 3600-mal Daten transferiert. SDRAM, die erste Generation von Arbeitsspeicher, hielt sich an diese Regel. Mit der Einführung von DDR-RAM hat sich das geändert: plötzlich konnte der RAM die doppelte Datenmenge im gleichen Takt transferieren. Um diese Realität wiederzugeben, fand eine neue Größe Verwendung: der Megatransfer/Sekunde (MT/s). Welche Übertragungsrate für dich in Frage kommt, je nachdem, wie deine Nutzung ausschaut, kannst du hier lesen. Die Zahlen sind allgemeine Empfehlungen, die ein flüssiges Arbeiten in den genannten Szenarien erlauben:
- ab 1600 MT/s – Office-Arbeit, Surfen, Medien, ältere Spiele
- ab 2000 MT/s – Multitasking, einfache Bildbearbeitung, neuere Spiele mit niedrigen Bildeinstellungen
- ab 3000 MT/s – Bild- und Tonbearbeitung, Gaming
Die Geschwindigkeiten von DDR4-RAM sind für aktuelle Ansprüche in den meisten Fällen mehr als ausreichend. Willst du ein zukunftssicheres System und bist auch bereit mehr dafür zu zahlen, dann fällt deine Wahl auf DDR5-RAM. Doch Vorsicht – vor dem Kauf musst du erst sicherstellen, dass das Mainboard deines Rechners den gewünschten RAM-Standard unterstützt. Auch sind DDR4-RAM- und DDR5-RAM-Module untereinander nicht austauschbar.
Latenzen – auch der RAM braucht Zeit, um Daten bereitzustellen
Kein Licht ohne Schatten – so schnell der RAM auch sein mag, es gibt immer auch Verzögerungen. Wirst du beispielsweise um ein Glas Wasser gebeten, musst du erst ein Glas aus dem Schrank nehmen, zur Spüle gehen und es mit Wasser füllen, bevor du es weiterreichen kannst. Das dauert. Und es veranschaulicht gleichzeitig ziemlich gut, wie die Latenzen des Arbeitsspeichers entstehen. Wie lange dauert es also, bis der RAM die angeforderten Daten zur CPU schickt?
Auskunft darüber gibt die CAS Latency (Column Address Strobe Latency). Die CAS eines RAM-Moduls (kurz auch CL genannt) gibt die genaue Anzahl von Zyklen an, die der Arbeitsspeicher braucht, um den Befehl der CPU umzusetzen und die angeforderten Daten bereitzustellen. Diese CL-Zahl wird vom Hersteller angegeben. Dabei gilt, dass geringer besser ist.
Die CL-Zahl wird nicht beeinflusst von der Übertragungsrate, ihre Höhe hängt vom Produktionsprozess ab und unterscheidet sich von Modell zu Modell und Hersteller zu Hersteller. Deswegen kannst du im Umkehrschluss auch aus der Höhe der Übertragungsrate keine genauen Schlüsse über die Latenz ziehen. Beide Angaben sind unabhängig voneinander zu betrachten.
Die CL-Zahl ist aber nicht die einzige Herstellerangabe, die du auf der Verpackung oder in den Spezifikationen des RAM-Moduls deiner Wahl findest. Unter den Punkten Latenz oder Timing findest du eine 4-stellige Zahlenreihe nach dem Muster X-X-X-X. Dabei stehen die Zahlen in dieser Reihenfolge für:
- CAS Latency
- Row-to-Column Delay (tRCD)- die Zyklenzahl, die der Arbeitsspeicher vom Befehlseingang bis zum Auslesen des gesamten Speichers braucht
- Row Precharge Time (tRP) - die Zyklenzahl, die der Arbeitsspeicher braucht, um eine neue Zeile für die Datenspeicherung bereit zu machen
- Active-to-Precharge Time(tRAS) - die Zyklenzahl, die mindestens gebraucht wird, um eine Zeile zu aktivieren und auszulesen
Heatspreader und Co. - Mit kühlem Kopf zur Höchstleistung
Wo Strom durchfließt, entsteht auch Wärme. Wenn der Arbeitsspeicher zur Höchstleistung auflaufen muss, also wenn besonders rechenintensive oder auch zahlreiche gleichzeitig laufende Aufgaben bewältigt werden müssen, kann er überhitzen. Die Folge ist, dass das System die Leistung des Speichers drosseln muss, um die Temperatur zu senken.
Eine Möglichkeit wäre, den Rechner einfach nicht an seine Grenzen zu bringen. Bei den Leistungsreserven aktueller Desktop-PCs und Notebooks geht sich einiges aus. Eine andere Möglichkeit ist der Einbau eines Heatspreaders, also einer Kühlung. Diese kontrolliert die Temperatur deines Speichermoduls und schützt diesen gegen Hitzeschäden, indem es die zusätzliche Wärme effizient ableitet. Heatspreader gibt es in verschiedenen Ausführungen, von einfachen Kühlkörpern, über Heatspreader mit Flüssigkühlung und selbst Kühllösungen mit Lüftern. Bei Notebooks, die nicht so viel Platz im Gehäuse bieten, wird der Arbeitsspeicher oft mit der gleichen Lösung, wie die CPU, gekühlt.
Häufige Fragen & Antworten
Was ist der Unterschied zwischen Arbeitsspeicher und dem Festplattenspeicher?
Zwischen einem Arbeitsspeicher und einem Festplattenspeicher gibt es hauptsächlich folgende Unterschiede:
- eine Festplatte bietet ungleich mehr Speicherplatz als ein Arbeitsspeicher
- ein Arbeitsspeicher ist ein flüchtiger Speicher, d.h. Daten werden gelöscht, sobald die Stromzufuhr gekappt wird, wohingegen eine Festplatte ein fester Speicher ist, der für langfristige Datenspeicherung gedacht ist
- ein Festplattenspeicher bietet geringere Zugriffsgeschwindigkeiten als ein Arbeitsspeicher
Macht mehr RAM meinen PC schneller?
Nicht in jedem Fall, zumindest nicht spürbar. Gerät dein Rechner regelmäßig bei rechenintensiven Aufgaben oder Multitasking ins Stocken, schafft ein Aufrüsten des Arbeitsspeichers in den meisten Fällen Abhilfe. Allerdings hängt die Reaktionsschnelligkeit des Systems auch von den anderen verbauten Komponenten ab, wie der CPU oder den Schnittstellen des Motherboards. Ältere CPUs können die Leistungsreserven aktueller RAM-Module nicht immer gänzlich ausnutzen. Ein anderer wichtiger Faktor ist das eigene Nutzverhalten – verwendest du deinen Rechner nur für Office und Medienwiedergabe, können mehr als 8 GB RAM exzessiv sein und bringen dir gefühlt keine Vorteile.
Wann brauche ich 32 GB RAM oder mehr?
Ganz klar, wenn du auf deinem System professionelle Software für Bild- und Tonbearbeitung, 3D-Planungssoftware oder die neuesten Spiele bei Maximaleinstellungen spielen möchtest. Für den anspruchsvollen Heimanwender jenseits dieser Nutzung reichen auch 16 GB RAM aus.
Gibt es ein Limit beim RAM-Einbau?
Wieviel RAM du maximal verbauen kannst, hängt von deinem PC-System ab bzw. davon, wieviel Arbeitsspeicher das Mainboard unterstützt. Limitierend kann auch das Betriebssystem sein. Windows 10 Home unterstützt beispielsweise bis zu 128 GB RAM.
Was bedeutet der CL-Wert?
Der CL-Wert ergibt sich aus der Latenz des RAM-Moduls, also aus der Verzögerung zwischen dem Eingang des Befehls und dem Zeitpunkt, an dem der Arbeitsspeicher die aufgerufenen Daten bereitstellt. Und keine Sorge, auch wenn sich „Verzögerung“ ernst anhört, es geht hier um Millisekunden.
Inhaltsverzeichnis
- Arbeitsspeicher/RAM – das Kurzzeitgedächtnis deines Rechners
- Aktuelle Standards und Typen von Arbeitsspeichern
- Die richtige RAM-Größe für deine Aufgaben
- Übertragungsrate – wie schnell reagiert dein RAM?
- Latenzen – auch der RAM braucht Zeit, um Daten bereitzustellen
- Heatspreader und Co. - Mit kühlem Kopf zur Höchstleistung
- Häufige Fragen & Antworten
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